Informatikausbildung 4.0

Flexibilisierung der ICT Berufsbildung

Diese WEB Seite dient zum Informationsaustausch über das Projekt und die dazu gehörenden Themen.

Ziel und Zweck des Projektes ist:

  • Ausrichten des Fachunterrichts an dem Geschäftsfeld des Ausbildungsbetriebes und damit Steigerung des wirtschaftlichen Nutzen von Lernenden
  • Reduktion des ausserschulischen Zeitaufwandes der Lernenden und Betreuer durch die zeitlich verbesserte Abfolge der Ausbildungsmodule
  • Motivation der Lernenden zu Höchstleistungen aufgrund des Selbstgesteuerten Lernens
  • Steigerung des Nutzens beim Lernort Schule durch zusätzliche Freifächer wie SAP, CISCO, Microsoft, Linux
  • Optimierung des Übertrittes von der Berufsfachschule an die Fachhochschule, durch Schulortsübergreifende Ausbildung getreu dem Motto: „statt in 7 in nur 6 Jahren zum Bachelor“

Im Fokus steht aktuell die „flexibilisierte Abfolge der Berufsschul-Module“ im 2. bis 4. Lehrjahr, also der Teil FLEBA. Auch dieser wird in mehrere Umsetzungsschritte aufgeteilt. Als Rahmenbedingungen berücksichtigen wir die Bildungsstrategie 2030 des SBFI und setzen das Vorhaben als innovativer Pilot zur verbesserten Verzahnung der Bildungsorte Ausbildungsbetrieb und Schule um. Im SBFI Antrag sind das MBA des Kantons Bern als Träger und ICT Berufsbildung Schweiz sowie die Kommission Berufsentwicklung der SBBK als Verbundpartner. Entsprechende Gespräche haben stattgefunden, die schriftlichen Zusagen erwarten wir in den nächsten Tagen. Das Selbstorganisierte Lernen SOL werden wir als weiter führenden Schritt adressieren.

Das Teilprojekt „ergänzender Unterricht“ durch SAP, MS und CISCO Ausbildungen wird ausserhalb des Projektes gemeinsam mit der GIBB und anderen Schulen voran getrieben.

Auch in einem separaten Teilprojekt erarbeiten wir zeitlich verzögert mit der BFH die Grundlagen für eine bessere Synchronisation der Ausbildungsinhalte Berufsschule und Fachhochschule.

Digitalisierung

und möglichen Auswirkungen auf den Kt. Bern

Technologietrend Digitalisierung

Menschen greifen über eine steigende Zahl von Endgeräten auf Informationen zu. Dazu gehören mobile Devices, Wearables, elektronische Geräte, Fahrzeuge etc.

Für viele Menschen ist der Zugriff auf digitalisierte Informationen und Dienstleistungen bereits Alltag, Lernende sind sehr geschickt in der Anwendung solcher Funktionen, auch für den Wissenserwerb.

Sensoren im Internet der Dinge IoT werden millionenfach Nutzer von Netzwerken und liefern Basisdaten für automatisierte Entscheidungen und Regelungen.

Das Netzwerk ist Basis für neue Benutzer-Schnittstellen wie Augmented bzw. Virtual Reality (Vermischung der realen mit einer virtuellen Welt) mit einem grossen Potenzial für neue Lösungen. Entsprechende Anwendungen führen zu Umwälzungen in der Arbeitswelt und Gesellschaft.

Das maschinelle Lernen der Systeme stellt einen weiteren zentralen Trend: Systeme nehmen ihre Umwelt selbstständig wahr und können daraus lernen. Die Zunahme der Datenquellen und die Komplexität der Daten fordert eine automatische Verarbeitung und führt zu Konkurrenzvorteilen solcher Lösungen. Maschinelles Lernen führt zu einem Anstieg der autonom agierenden Geräte wie Roboter, selbstfahrende Fahrzeuge, virtuelle persönliche Assistenten etc. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf smart gemachter Hardware, sondern auf Angeboten, die nur aus Software bestehen. Vorgänger von autonomen Agenten, wie zum Beispiel Siri sind bekannt, sie werden zur wichtigsten und üblichen Benutzerschnittstelle. Autonome Agenten sorgen dafür, dass sich die Menschen verstärkt wieder den Dingen zuwenden können, die nur Menschen leisten können.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Digitalisierung hat in unserem (Berufs-)Alltag Einzug gehalten und bietet nicht nur Chancen, sondern birgt auch Risiken. Verschiedene unabhängige Studien zeigen die Auswirkung der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auf:

  • Die Digitalisierung hat das Geschäftsmodell der Swisscom verändert. Stand früher das Telefon im Fokus, sind es heute Telekommunikations- und IT-Dienstleistungen. Auch in Zukunft sind Service und Infrastruktur entscheidend. (Swisscom Stefan Nünlist)
  • Die Digitalisierung führt zu einem Wandel der wissensbasierter „Bürojobs“: viele „Bürojobs“ können an jedem Ort mit Strom und Netzzugang erledigt werden. Zudem können viele Aufgaben automatisiert oder zumindest wissensbasiert unterstützt werden.
  • Akademische Jobs sind aufgrund der enormen Produktivitätssteigerung: z.B. Anwälte werden massiv produktiver dank der Digitalisierung.

Droht das Ende der Arbeit? Roboter ersetzen Fabrikarbeiter und Computer erledigt Aufgaben von Büroangestellten. Macht die Digitalisierung den Menschen überflüssig? Was bedeutet der „Tsunami Effekt der Digitalisierung“? Nach der Mechanisierung, der Elektrifizierung und der Automatisierung führt die Digitalisierung zu einer neuen technologische Revolution. Diese wird sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirkten und betrifft sowohl manuelle wie auch kognitive Aufgaben.

Auswirkungen auf die Berufsbildung

Die Unterschiede bei den Abgängern aus der Volksschule nehmen stark zu. Lernende haben heterogene Vorkenntnisse und erwarten flexiblen und individuellen Wissenserwerb und haben zudem grosse Unterschiede beim Lerntempo. So stellen sich heterogen Anforderungen an die Berufsschule.

Verschiedene Berufe werden mit grosser Wahrscheinlichkeit automatisiert¨

Tabelle

Nur Berufe eingerechnet mit einer Wahrscheinlichkeit einer Automation in den nächsten 5 Jahren von grösser 80% Abschätzung der Anzahl Arbeitenden im Kanton gemäss der Industrieverteilung Die Wahrscheinlichkeit der Automation bedeutet nicht ein 100% Rückgang in der Branche, sondern ist Quelle: University of Oxford, NZZaS,

Gemäss verschiedenen Untersuchungen ist das Risiko von dieser Digitalisierung betroffen zu werden für Frauen und Männer unterschiedlich. Männer arbeiten in Berufen mit einem durchschnittlichen Digitalisierungs-Potenzial von ca. 42%, während dieses für Frauen nur ca. 33% beträgt.

Der Kanton Bern wird durch diesen Wandel betroffen

Durch die heutige Beschäftigungsstruktur im Kanton Bern werden wir einen grossen Anteil an Betroffenen haben. In der Tabelle zeigt sich ein Potential von Betroffenen im Kt. BE von über 20‘000 Arbeitnehmenden. Der Kt. BE hat in der Informatik eine Vormachtstellung, diese muss weiter ausgebaut werden:

  • Wir waren bisher Vorreiter in der ICT, verlieren diese Position aber schrittweise an aktivere Kantone
  • Wir haben für ICT Dienstleistungen keinen Standortnachteil (nicht wie bei Pharma, Finanz, etc.)
  • Die ICT hat eine drei bis vierfach höhere Wertschöpfung im Vergleich mit dem Bau oder Gastgewerbe
  • Die vom RR verlangte Steigerung des BIP gelingt nur mit hoher Wertschöpfung in Berufsfeldern
  • Die Cleantech-Initiative des RR verlangt ICT Fachkräften (zB. Gebäudeautomation oder Energie)

Handlungsfelder

Der Kanton ist zusammen mit seinen Organen gefordert, diesen Wandel aktiv zu stützen und die Betroffenen zu begleiten:

  • Stärkung der ICT Ausbildung am Standort Bern (Flexibilisierung, Selbstorganisiertes Lernen,
  • Förderung von Ausbildungsplätzen in den durch die Digitalisierung stärker geforderten Berufen
  • Ausbildungsangebote für Arbeitnehmer zum Erwerb digitaler Kompetenzen (zB. IT Kenntnisse für KV)
  • Umschulung der Betroffenen in Berufe mit geringem Automationspotential
  • Reduktion der Ausbildung von Jugendlichen in die kritischen Berufe mit hohem Automationspotential

FLEBA

Nach der Umsetzung des Teilprojektes FLEBA erfolgt der berufskundliche Unterricht bei der Informatikerausbildung EFZ nach einem flexiblen, bedarfsgesteuerten Ausbildungsmodell, welches sich an den Geschäftsfeldern der Lehrbetriebe orientiert.

Projektträger ist das MBA des Kantons Bern gemeinsam mit den

Das Projekt ist geeignet, die Durchführbarkeit und die Wirksamkeit neuer Bildungsmassnahmen abzuklären und in einer Reform umzusetzen:

  • Die Schnittstelle BFS – Betriebliche Bildung wird optimal (für jeden einzelnen AZUBI individuell) auf die Bedürfnisse (Geschäftsfelder) der Lehrbetriebe abgestimmt. Dadurch können die Lehrbetriebe optimal von der Dienstleistung der BFS profitieren und es entstehen keine „Schnittstellenverluste“; d.h. der Lehrbetrieb muss von der BFS noch nicht unterrichtetes Grundwissen nicht selber vermitteln bzw. es muss nicht durch Selbststudium der AZUBI erarbeitet wer-den und es entstehen durch den nachträglichen Besuch des Lerninhaltes an der BFS keine unnötige Doppelspurigkeiten.
  • Durch die Individualisierung der Schulischen Bildung (aktuell BKU) wird das Ausbildungs-System nachhaltig für den Einfluss der Digitalisierung umgestellt.
  • Die durch die Spezialisierungen in Betrieben und der Fachkräfte verlangte Flexibilität der Ausbildung kann durch die bedarfsgerechte Ausbildung sichergestellt werden.
  • Durch den Abbau der Doppelspurigkeiten (Eigenleistungen der Lehrbetriebe) können Lehrstellen gesichert bzw. dazu gewonnen werden.
  • Andere Kantone und Schulen, insbesondere mit einem kleinen Mengengerüst sind im Konzept eingebunden und können dieses Ausbildungsmodell mitbenutzen.
  • Die in der BiVo festgelegte Lernzeit wird durch das selbstorganisierte und selbstgesteuerte Lernen SOL optimal auf die Bedürfnisse der Ausbildungsbetriebe und der AZUBI ausgerichtet und bietet den BFS eine systemische Lösung um auf die grossen Qualitäts- und Leistungsunterschiede zwischen ICT Fachpersonen (typisch Verhältnis 1 : 10, Werte bis 1 : 30 sind feststellbar) im Sinne einer Talentförderung zu reagieren.
  • Die Systemänderungen führen zu einer Attraktivitätssteigerung der Ausbildung und helfen auch in Zukunft die geeigneten KandidatInnen zu rekrutieren.
  • Digitale, kognitive Systeme basierend auf Big Data als Unterstützung für Lehrkräfte und Lernende im Unterricht nutzen.

Die ICT-Lehrabgänger Befragung zeigt einen sehr tiefen Wert bei der Berufsfachschule und einen hohen Wert beim Selbststudium mit einer Korrelation: Das fixe Schulprogramm ist ungenügend auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lehrbetriebe abgestimmt, die AZUBI sind gezwungen die Lerninhalte im Selbststudium zu erlernen. Weiterführende Analysen zeigen, dass die Zusammenarbeit / Verzahnung zwischen betrieblicher und schulischer Bildung insbesondere für intellektuell anspruchsvolle Ausbildungen wie z.B. die Informatikerausbildung EFZ durch angepasste Organisationsformen der Schulischen Bildung stark verbessert werden kann. Es muss ein System aufgebaut werden, das eine individuelle, bedarfsgesteuerte Schulische Ausbildung je AZUBI unter Einhaltung der BiVo-Vorgaben ermöglicht. Die Individualisierung soll in Bezug auf Programmablauf, Lerntempo, Lernunterstützung und Programmergänzung für jeden einzelnen AZUBI erreicht werden.

SOL

Das Projekt Selbstorganisiertes Lernen (SOL) wird bereits seit einiger Zeit an der GIBB voran getrieben und soll im 2019 eingeführt werden.

Dieses Teilprojekt nimmt die unterschiedlichen Lerntempo von AZUBI’s auf (oft ist ein Unterschied von 1:10 feststellbar).

Da Projekt befindet sich in der Setup Phase.